Siurana, Margalef, Montsant

Wir haben uns knapp 4 Wochen in der Region um Tarragona aufgehalten und hauptsächlich diese drei Klettergebiete besucht. Siurana gilt momentan wohl als eines DER Top-Klettergebiete in Spanien, ob berechtigt oder gehyped lasse ich mal im Raum stehen, da die Geschmäcker bekanntlich verschieden sind und jedes Gebiet seine Vor- und Nachteile hat. Bei der Fülle an Klettergebieten die Spanien zu bieten hat, fällt es zudem umso schwerer ein Klettergebiet als DAS Top-Klettergebiet zu küren.

Siurana

Ein guter Ausgangsort ist Cornudella de Montsant, ein kleines, beschauliches Dorf, in dem es  kleine Supermärkte, einen Metzger, ein Café (täglich geöffnet, free wifi, Topos,…), zwei Bars und einen Kletterladen gibt. Ins 8 km entfernte Siurana führt eine schmale, teils steile aber gut ausgebaute Straße. An Wochenenden ist hier die Hölle los, denn auch Wanderer und Touristen, die in Reisebussen angekarrt werden, kommen in den Ort, der auf einer Art Tafelberg liegt. Man findet sich leicht zurecht. Die Ausgangspunkte zu den einzelnen Sektoren liegen alle entlang dieser Straße. Parkplatz 1 (Coll d’Esplugues) und 9 (am Castell) sind die größten. Hier übernachten auch viele Kletterer in ihren Vans und Autos, so dass man leicht Kletterpartner findet. Einzige offizielle Camping-Unterkunft ist der Siurana-Camping, ca. 1,5 km vor dem Ort gelegen. Für 7€ pro Person und Nacht (Stand 11/2015) bekommt man hier sanitäre Anlagen mit warmer Dusche, free-wifi, einen überdachten BBQ-Platz und eine Bar geboten. Die dichte Begrünung ist im Sommer sicherlich ein Segen, im Winter sind die Stellplätze hingegen dunkel und ungemütlich, was uns (inklusive unserer Solaranlage) gar nicht gefiel. Wir hätten zwar die Möglichkeit gehabt, einen Stromanschluss zu nutzen, das empfanden wir jedoch für pauschal 7€ pro Tag!!!!! zu teuer, wenn man bedenkt, dass wir (nach Zählerablese) auf einem Campingplatz in den Dolomiten 5 Euro-Cent für drei Tage zahlen mussten. Vom Campingplatz aus sind viele Sektoren fußläufig erreichbar.

In Siurana gibt es sichrlich auch leichtere Routen, meiner Meinung nach lohnt sich ein längerer Besuch aber erst ab dem oberen 6. Franzosengrad. Ein guter Anhaltspunkt im Siurana Kletterführer sind die Jahreszahlen der Erstbegehungen. Die Bewertung der Routen aus den anfänglichen 90er Jahren oder früher sollte man mit Vorsicht genießen. Die Absicherung ist eigentlich als durchweg gut zu bezeichnen. An den schwierigen Stellen befinden sich die Haken, in (für den Grad) leichterem Gelände können die Hakenabstände schonmal weiter sein. Es gibt auch Routen mit run-outs, altem Material oder Routen, die selbst abgesichert werden müssen. Diese sind im Topo entsprechend gekennzeichnet. Man findet überwiegend senkrechte und überhängende Kletterei, technisch, an Leisten, Auflegern und Löchern. Die Routenlängen variieren von 6 bis hin zu 45 Metern, wobei das eher die Ausnahmen sind. Das Mittel würde ich auf knapp 25m schätzen. In der Hauptsaison sucht man an Wochenenden besser die etwas abgelegeneren Sektoren auf, dort geht es wesentlich ruhiger zu. Beliebte Sektoren wie El Pati lohnen mehr wochentags, wenn kaum Locals da sind. Neben sonnigen Sektoren gibt es auch ausreichend schattige Sektoren, die, wie z.B. in El Pati, in nur wenigen Minuten erreichbar sind.

Margalef

Margalef ist ca 40 km von Siurana entfernt und bietet eine ganz andere Art der Kletterei. In Margalef wird hauptsächlich an Fingerlöchern in Konglomeratgestein geklettert, erinnert ein wenig ans Frankenjura. Die Einstiege empfanden nicht nur wir oft als sehr hart. Neben den bekannten steilen Überhängen finden sich hier auch moderate Überhänge, senkrechte und plattige Routen in allen Schwierigkeiten bis zu 30m lang, wobei auch hier die Auswahl erst ab dem 6. Franzosengrad groß wird. Das Potential ist riesig, es wird weiterhin fleißig erschlossen. Landschaftlich steht Margalef Siurana in nichts nach. Sehr ruhig und malerisch gelegen bietet der Ort an sich nur das Nötigste. In dem kleinen Supermarkt, bekommt man die Basisausstattung, spezielle Lieblingsprodukte also besser vor Anreise einkaufen. Der kommunale „Campingplatz“ von Margalef ist sehr einfach eingerichtet, dafür recht neu und sauber. Fließendes Wasser, Abwasserentsorgung und Frischwasser für Camper ist im Preis enthalten. Die Duschen wollen mit Euro-Münzen gefüttert werden. Trinkwasser kann man an den Spülbecken (Kaltwasser) zapfen. Außer mittwochs hat die Rezeption und somit auch die Bar (morgens und abends) geöffnet, in der man gemütlich sitzen und das free-wifi nutzen kann. Alternativ kann man auf dem Stellplatz am Stausee stehen. Dies ist noch etwas günstiger, dafür aber auch noch einfacher gehalten. Eine einfache, ranzige Toilette, einige Barbeque-Plätze und Brauchwasser stehen zu Verfügung. Man kann es als komfortableres autark stehen bezeichnen. Anmelden muss man sich am Campingplatz in Margalef. Campieren ist in dieser Region nur auf diesen beiden Plätzen erlaubt. Verbotschilder, die auf drastische Geldbußen hinweisen findet man an allen Zugangspunkten. Je nachdem, in welchem der beiden Haupttäler man klettern will, bietet sich der eine oder andere Stellplatz besser zum Campieren an. Den jeweils aktuellsten Kletterführer bekommt man am Camingplatz vor Ort. Ein Ringbuch mit sehr einfachen Strichzeichnungen, mit denen man aber erstaunlich gut zurecht kommt. Man mag den Topo als billig bezeichnen, ist er preislich auch, dafür erscheint er (so hörte ich zumindest) alle 1-1,5 Jahre neu, was natürlich Sinn macht, wenn noch so viel erschlossen wird.

Montsant

Das dritte große Klettergebiet in der näheren Umgebung von Siurana ist Montsant. Obwohl es noch einige andere Gebiete gibt, die wir teilweise auch besucht haben, möchte ich es bei den Dreien belassen. In gut 17 km erreicht man von Siurana aus La Morera de Montsant. Der Ort liegt auf 740m über NN und ist oft ein Schönwetter-Garant, wenn Siurana oder Margalef im Nebel liegt. Montsant hat mehr als 600 Routen in löchrigem Konglomerat. Nicht nur die Routen (bis zu 60m und auch MSL) verlangen Ausdauer. Die Zustiege sind meist zwischen 30 und 60min bergauf. Die Mühen werden aber allein schon mit einer grandiosen Aussicht belohnt. Wer steile Lochkletterei mag, ist hier genau richtig. Die meisten Gebiete sind südlich ausgerichtet, so dass die Beste Zeit zwischen Herbst und Frühjahr ist. Für Montsant gibt es einen eigenständigen Kletterführer. Wir haben uns für dieses Gebiet mit dem Übersichtsführer „Tarragona Climbs“ begnügt.

Alle drei Gebiete zusammen bieten genug Klettermöglichkeiten für viiiele Monate… Wenn man alle Klettergebiete besuchen und sich eine feste Unterkunft mieten möchte, bietet sich Cornudella de Montsant als zentraler Ausgangspunkt an. Viele Kletterer wechseln regelmäßig zwischen den Gebieten hin und her um Kletterstile und somit auch die Belastung der Finger zu wechseln.