Krankenversicherung und Anwartschaft

Das Thema Krankenversicherungen in Verbindung mit Langzeitreisen ist zu Beginn sehr undurchsichtig, zumal diese Kombination nicht der Regelfall ist und sich kaum jemand so wirklich mit der Materie auskennt. Das stellte uns vor das ein oder andere Problem. Nach vielen widersprüchlichen Aussagen, Email Kontakten sowie diversen Telefonaten, lag es letztlich an unserer Eigeninitiative und Hartnäckigkeit, dass nun alles in trockenen Tüchern ist.

Während unserer Recherche in diversen Foren stießen wir auf viele Hilfe suchende, denen meist nicht zufriedenstellend weitergeholfen werden konnte. Aus diesem Grund möchten wir hier unsere Erfahrungen teilen und anderen Langzeitreisenden den vielleicht „entscheidenden Tipp“ geben.

Zu meiner Situation:

  • ich bin verbeamtet und dadaurch privat versichert. Zu 50% durch meine Krankenversicherung (DEBEKA) und zu 50% durch die Beihilfe der Stadt.
  • während der einjährigen Auszeit bin ich unbezahlt beurlaubt und besitze für diese Zeit keine Beihilfeansprüche.
  • der Plan: eine Auslandreisekrankenversicherung abschließen.
  • für die private Krankenversicherung (PKV) eine große Anwartschaft abschließen

Seit einigen Jahren schon müssen sich alle Personen mit Wohnsitz in Deutschland bei einem in Deutschland zugelassenen Krankenversicherer gegen Krankheitskosten versichern. Genaueres kann man im §193 III VVG nachlesen. Auf diese Krankenversicherungspflicht berufen sich viele Versicherer. Damit haben sie einerseits recht, andererseits wissen sie oft nicht (bzw. verschweigen), dass es Ausnahmen gibt. Und darin  besteht die Crux.

Der § 190 Abs. 13 Punkt 2 des Sozialgestzbuches beschreibt:

Die Mitgliedschaft des Versicherten endet mit Ablauf des Vortages, an dem der Wohnsitz oder gewöhnliche Aufenthalt in einen anderen Staat verlegt wird.

Weiterhin ist das „oder“ entscheidend, somit darf der Wohnsitz, anders als von den Versicherern „angenommen“, in Deutschland bleiben. Der „gewöhnliche Aufenthaltsort“ einer Person ist ein Rechtsbegriff. Als Faustregel gelten sechs Monate in Folge, unabhängig vom gemeldeten Wohnsitz. Auch eine kurzzeitige Rückkehr ist möglich. Ich habe aber auch schon gelesen, dass drei Monate als „gewöhnlicher Aufenthaltsort“ akzeptiert wurden. Die Handhabung scheint zwischen den Versicherern zu variieren.

Nach einigem hin und her war schlussendlich ein Brief an die Abteilung Krankenversicherung der Hauptgeschäftsstelle Koblenz zielführend, worauf ich einige Tage später ein Schreiben der für mich zuständigen Geschäftsstelle erhielt, dass eine Anwartschaft doch möglich sei.

Folgende Unterlagen wurden für die Anwartschaft gefordert:

  • Bestätigung der unbezahlten Beurlaubung durch den Arbeitgeber
  • Bestätigung der Beihilfestelle, dass man nicht beihilfeberechtigt ist
  • Nachweis über eine (Ausland)Krankenversicherung
  • Ausreisebestätigung (Flugticket, Fährticket, o.ä.) und bei Rückkehr Einreisebestätigung

Eine Ein- oder Ausreisebestätigung innerhalb Europas ist logischerweise schwierig, wenn man auf dem Landweg reist, da Visumpflicht o.ä. besteht. Dennoch verlangen die Krankenversicherer die Bestätigungen. Anfragen bei verschiedenen Versicherern ergaben, dass Kaufbelege als Nachweis akzeptiert werden. Das heißt, man kauft  unmittelbar vor und nach dem Grenzübertritt jeweils eine Kleinigkeit (oder tankt ein paar Liter) und bewahrt die Quittungen als Nachweis auf. Bei Kartenzahlung wären die Belege sogar personenbezogen.


 zu Mels Situation:

  • gesetzlich krankenversichert bei der Techniker Krankenkasse
  • der Status spielt keine Rolle, d.h. es ist egal, ob arbeitssuchend, angestellt oder unbezahlt beurlaubt
  • der Plan: Die GKV abmelden und dafür eine Auslandreisekrankenversicherung abschließen.

Auch bei den gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV) bekommt man verschiedene Aussagen, was erlaubt und möglich ist. So gab es zunächst auch hier Geschäftsstellenintern verschiedene Aussagen, wobei sich im Nachhinein alles als unkompliziert heraus stellte.

Zum 31.05.15 wird Mel bei der GKV abgemeldet. Dass  der Grenzübertritt erst zwei bis drei Tage später statt findet und erst zu diesem Zeitpunkt die Auslandkrankenversicherung in Kraft tritt, ist kein Problem, da man in der GKV bis zu 30 Tage nach Abmeldung nachversichert wird.

Eine Anwartschaft ist in diesem Fall, seit Einführung der gesetzlichen Krankenversicherungspflicht, unnötig. Aufgrund der Krankenversicherungspflicht sind die Versicherer verpflichtet, den ehemals Versicherten bei seiner Rückkehr nach Deutschland wieder in die GKV auf zu nehmen. Es wird jedoch empfohlen, die Police der Auslankrankenversicherung auf zu bewahren, um ggf. Versicherungszeiten nachweisen zu können. Eine kurze Vorabinformation vor der Rückkehr an die GKV erleichtert die Wiederaufnahme.

Ein Gedanke zu „Krankenversicherung und Anwartschaft

  1. staaprest

    Hallo,
    ich befinde mich in der gleichen Situation: Beamtin mit Beurlaubung ohne Bezüge. Mein Problem ist, dass die Debeka einen Nachweis zur Verlegung meines gewöhnlichen Aufenthalts haben möchte – mein Berater schieb in Klammern dazu: z.B. vom Einwohnermeldeamt. Daraus schließe ich, dass erwartet wird, dass ich meinen Wohnsitz abmelde. das möchte ich aber nicht. Wie hast du argumentiert und nachgefragt, ob das Flugticket ausreicht – die Ausreisebestätigung? Ich wäre über eine rasche Antwort sehr sehr dankbar!!!

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