Ins Land der Ticos


Weiter geht’s. Vom Hochland wieder zurück an die Küste, genauer gesagt nach Bocas del Toro. Wir haben gutes wie schlechtes gehört. Daher wollten wir uns selbst eine Meinung bilden.

In der Osterwoche (Semana Santa) herrscht  hier überall Ausnahmezustand. Nahezu alle bezahlbaren Unterkünfte sind ausgebucht, Busverbindungen stark gekürzt oder fallen teilweise ganz aus. Flucht der Städter an die Küsten. Da sollte wohl überlegt sein wann man sich wo aufhält.

Wir entschieden uns für die Insel Bocas Bastimentos, die im Gegensatz zu ihrer größeren Schwesterinsel ursprünglicher sein sollte. Auf der Hinfahrt schon beschlich uns wieder mal das Gefühl beschissen zu werden, was in den beliebten Touristenregionen leider mittlerweile eher Regel als Ausnahme ist. Das ist so eine Unart, die uns ziemlich gegen den Strich geht. Aber was will man machen, in einem „Hafen“ mitten in der Pampa?! Den weiten Weg zurück oder Augen zu und durch. Auf Bocas Bastimentos ergatterten wir ein nagelneues kleines Bungalow am Dschungelrand. Einfach gehalten aber schön. Die Insel erwies sich leider als Reinfall. Der Ort sagte uns gar nicht zu. Müllentsorgung Fehlanzeige und die Abwässer wohin? Klar, ins Meer. Bei ein paar Häusern sicherlich kein Problem, aber so – hm, nee. Die erste von drei geplanten Nächten verlief etwas suboptimal, denn des Nachts findet dann doch die Müllentsorgung statt. Jedoch nicht so wie wir es kennen, nein, es wird alles in den Gärten verbrannt. So zogen die ganze Nacht über Schwaden von verbrannten Plastik, Palmenblättern und Restmüll über die Insel.  Gedanklich schwirrte in meinem Kopf schon das Einsatzstichwort: verdächtiger Rauch… 🙂

Auch wenn die Insel sicherlich richtig schöne Ecken vorzuweisen hat entschieden wir uns am nächsten Morgen den geordneten Rückzug anzutreten. Die äußeren Umstände wollten wir uns nicht länger antun, der Reiz der Insel war verloren. Jede Medaille hat eben zwei Seiten. Mit dem Bus erreichten wir schon gegen 11:30 Uhr den Grenzübergang in Guabito an der Grenze zu Costa Rica. Hier lief alles ein bisschen anders als sonst, denn die Grenze MUSS an dieser Stelle zu Fuß passiert werden und zwar über eine Brücke die über den Grenzfluss Rio Sixaola führt. Eine Ausnahme gibt’s nur für Bananen. Die dürfen liegender Weise in den zahlreichen Bananen-Lkw  die Grenze überqueren. Keine Stunde später waren sämtliche Grenzformalitäten erledigt und wir saßen wieder im Bus, der uns nach Puerto Viejo, einen kleinen Surferort an der karibischen Küste, brachte.

Wenn man viele Tiere sehen möchte sollte man seine Dschungelwanderung nicht unbedingt auf Semana Santa legen. Um diese Erkenntnis reicher standen wir aber bereits am Eingang des Cahuita Nationalparks. Ein Wanderweg führt am Rande, stets der Küstenlinie folgend durch den Dschungel. Hier sieht man, wie so oft, keinen Primärwald sondern mehr oder weniger alte „Aufforstungen“. Dass das Roden der Regenwälder nicht nur dem Image des Landes schadet wurde in Costa Rica bereits erkannt. Mit den gar nicht mal so niedrigen Eintrittspreisen für Nationalparks wird versucht mehr und mehr Land zu kaufen, um Flora und Fauna neue Rückzuggebiete zu schaffen.

Das Kakaomuseum bei Puerto Viejo wird von einer indigenen Familie betrieben und ist dadurch sehr traditionell gehalten. Der völkerkundliche Teil der Führung war zwar auch interessant, mit den Augen und mit dem Gaumen waren wir als Schokoladenliebhaber allerdings schon lange bei Kakaoplantage und Schokolade. Ein langer, mühsamer Arbeitsweg führt von der Bohne zur Schokolade. Für uns war es Neuland und somit eine interessante, lehrreiche Führung. Und probieren war schon vor der Schokolade angesagt. Das weiße Fruchtfleisch zum Beispiel hat einen mangoähnlichen Geschmack. Sehr lecker. Die Krönung war dann selbst hergestellte Schoki. Wenns nach uns gegangen wäre, hätten wir die doppelte Menge für die Verkostung angerührt. Geschmacklich war es kein Vergleich zur

Industrieschokolade. Ein Träumchen. Während wir noch so über die Plantage schlenderten entdeckten wir einen schlafenden Rotaugenlaubfrosch. Eines der Tiere, die man mit Mittelamerika verbindet und nicht an jeder Ecke findet. Durch unsere Anwesenheit recht unbeeindruckt zeigte er zumindest einmal kurz seine leuchtend roten Augen, bevor wir ihn weiter schlafen ließen. So gab es  nach vielen „normalen“ Tagen dieses mal wieder ein gelungenen Highlighttag.

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